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Wohnungslosigkeit Frauen Foto: Büro Lesemann/Degener
Sehnde

17. März 2022: Wohnungslosigkeit bei Frauen oft verdeckt

„Wohnungslosigkeit bei Frauen ist ein wichtiges Thema“, sagt Dr. Silke Lesemann. Über dieses Thema hat sie jetzt mit der Sehnder Gleichstellungsbeauftragten Jennifer Glandorf und der AWO Frauenberaterin Kathrin Olthoff gesprochen.

„Die schwierige Wohungsmarktlage ist in Netzwerktreffen sowohl hier vor Ort als auch auf Regionsebene ein Dauerthema“, berichtet Glandorf. In der Kommune gebe es immer häufiger Fälle der sogenannten ordnungsrechtlichen Unterbringung - das heißt: Eine Frau findet keine Wohnung und die Kommune muss einspringen. „Der Wohnungsmarkt in Sehnde und der Region ist sehr angespannt“, betont die Gleichstellungsbeauftragte. Dennoch müsse keine Frau auf der Straße schlafen. „Die Stadt stellt im akuten Notfall eine adäquate Unterbringung zur Verfügung.“

Wenn Menschen an Wohnungslosigkeit denken, hätten sie meist zunächst das Bild eines Mannes vor Augen, der auf der Straße lebt. „Doch laut Statistiken liegt der Frauenanteil schätzungsweise bei 30 bis 40 Prozent. Man spricht allerdings bei Frauen oft von einer verdeckten Wohnungslosigkeit, da sie oft erst einmal bei Freunden oder Verwandten Unterschlupf finden“, erklärt Glandorf. Doch dann beginne für sie die oft zähe Suche nach einer eigenen Wohnung. Besonders schwierig werde es bei sogenannten multiplen Problemlagen: Die Frauen haben ein Traumata, psychische Probleme und/oder haben Gewalt in ihrer Beziehung erlebt. Dies beobachtet AWO Frauenberaterin Kathrin Olthoff in ihrer täglichen Arbeit. „Manches Mal reicht aber auch ein Schufa-Eintrag und die Hürde ist noch höher“, so Olthoff.

Nach Trennungen sei es besonders schwierig für Frauen, die finanziell abhängig von ihrem Partner waren. „Aber auch dann gibt es Wege - wir beraten die Frauen, wie sie ihren Weg finden können“, betont die AWO Beraterin. Sie berichtete auch von Alleinerziehenden, die sich ihre Wohnung deshalb leisten konnten, weil sich ihre Kinder in Ausbildung ebenfalls an der Miete beteiligen. Wenn die Kinder dann ausziehen, müssen sich die Frauen wieder auf die schwierige Wohnungssuche begeben. „Besonders für Alleinerziehende ist die Wohnungssuche oft frustrierend“, so Olthoff.

Lesemann verwies auf einen gemeinsamen Antrag der SPD und CDU im Landtag, der zum Ziel hat, wohnungslose Menschen in Niedersachsen zu unterstützen. Demnach soll das Land gemeinsam mit den einzelnen Kommunen ein Konzept erarbeiten, wie Wohnraum vor Ort geschaffen werden kann - durch Nutzung eigener Flächen oder Anmietung. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt könnte nun durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine noch angespannter werden. „Wir müssen alles tun, um den ukrainischen Geflüchteten zu helfen - gleichzeitig müssen wir die bestehenden Probleme mit der Wohnungslosigkeit im Auge haben“, betont Lesemann.

Lesemann betonte auch die Wichtigkeit von Präventionsarbeit. „Mädchen und Frauen müssen in ihrer Selbstständigkeit bestärkt werden - das gilt auch für ihre finanzielle Sicherheit“, betont die SPD-Landtagsabgeordnete. Sie wollte außerdem wissen, wie sich die Corona-Pandemie auf die Situation von Frauen in Sehnde ausgewirkt hat. Die Corona-Pandemie habe die Krisen noch verstärkt - so meldeten sich seitdem mehr Frauen aufgrund von häuslicher Gewalt in der AWO Frauenberatungsstelle im Ostkreis, zu der auch Sehnde gehört, als zuvor, erläuterte Olthoff. Während der Pandemie habe nicht nur die häusliche Gewalt zugenommen, sondern der Beziehungsstress im Allgemeinen. "Paare haben viel Zeit auf engstem Raum verbracht - im schlimmsten Fall führte das zu schwersten Beziehungskonflikten", so die Frauenberaterin.

Ein wiederkehrendes Thema in Gesprächen mit Sehnder Frauen sei auch Einsamkeit. Corona habe die Einsamkeit verstärkt durch die lange Zeit der Kontaktverbote. Deshalb will die AWO Beraterin demnächst Angebote zum Austausch schaffen. „Ich möchte Spaziergänge anbieten, bei denen sich Frauen kennenlernen und vernetzen können“, so Olthoff.

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