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Gymnasium Erich Kaestner Foto: Büro Lesemann/Degener
Besuch

16. März 2022: Schulen berichten von Herausforderungen

Zwei Schulbesuche an einem Tag: Dr. Silke Lesemann, für Laatzen, Pattensen und Sehnde zuständige SPD-Landtagsabgeordnete war jetzt zu Gast im Erich Kästner Gymnasium Laatzen und anschließend in der benachbarten Oberschule.

Ulrike Mensching, Leiterin des Gymnasiums, empfing Lesemann in ihrem temporären Container-Büro, da die Schule gerade umgebaut wird. „Mir ist der regelmäßige Austausch mit den Schulen in meinem Wahlkreis wichtig“, betonte Lesemann zu Beginn des Gesprächs. So erfahre sie, welche Auswirkungen die Schulpolitik des Landes auf die Schulen hat und wo Verbesserungsbedarf besteht, den sie an das Kultusministerium weitergibt. Mensching berichtete vom schwierigen ersten Corona-Lockdown und dem zweiten, längeren Lockdown, auf dem sich die Schule gut digital eingestellt habe. Jetzt gelte es, die Corina-Folgen zu bewältigen. So zögen sich Verhaltensauffälligkeiten durch alle Jahrgänge ihrer Schule. „Viele Kinder sind in Therapie, einige Kinder haben Schulangst bekommen, aber auch Essstörungen wie Magersucht treten verstärkt auf“, berichtet Mensching. Zur Bewältigung der Corona-Folgen hat die Landesregierung das Programm „Startklar in die Zukunft“ aufgelegt. Von dem abgerufenen Geld habe die Schule zwei pädagogische Mitarbeiter für Kompensationskurse eingestellt und Projekte wie einen Theaterkurs und Sport- und Spielutensilien, die über Sporthelfende (Schülerinnen und Schüler ab Klasse 10) in den Pausen ausgegeben werden, organisiert. „Das ist ein gutes Programm“, lobte Mensching.

Um die Schüler*innen in Niedersachsen zu entlasten, hat die Landesregierung entschieden, die Anzahl der Klassenarbeiten auf eine Arbeit pro Fach zu reduzieren. „Das ist leider besonders für introvertierte Kinder schlecht, die für ihre Noten auf schriftliche Arbeiten angewiesen sind“, sagte die Schulleiterin. Auch als Vorbereitung auf das Abitur seien Klassenarbeiten wichtig. „Sie sind quasi das Training“, so Mensching. Sie würde sich wünschen, dass die Landesschulbehörde diese Entscheidung rückgängig macht. „Unsere Schüler*innen lechzen nach solchen Strukturen“, so die Schulleiterin.

Ein weiteres Anliegen sei der Wunsch nach einer verspäteten Einführung der zweiten Fremdsprache ab Klasse sieben statt ab Klasse sechs, wie es derzeit der Fall ist. „Mehr als 50 Prozent unserer Schüler*innen haben einen Migrationshintergrund - viele von ihnen sind überfordert damit, bereits in der sechsten Klasse Sprache Nummer drei lernen zu müssen, da Deutsch und Englisch für sie Fremdsprachen sind“, erklärte Mensching. Aber auch für die anderen Schüler*innen hätte ein späterer Start Vorteile. „Viele wählen die zweite Fremdsprache voreilig nach der zehnten Klasse ab und bereuen es später - so könnten sie das erst nach der elften Klasse entscheiden.“ Um solchen Änderungswünschen gerecht zu werden, gibt es die Möglichkeit sogenannter Schulversuche. „Wie würden gern einen Modellversuch dazu starten“, so Mensching. „Ein Schulversuch wäre ein guter Weg, das auszuprobieren“, betonte Lesemann.

Ganz anderen Herausforderungen sieht sich Sven Hinzpeter, Leiter der Oberschule, gegenüber stehen. „Die erzieherische Arbeit steht bei uns im Fokus. Und die Umsetzung der Inklusion“, so der Schulleiter. Rund 70 der rund 460 Schüler*innen hätten einen Förderbedarf. „Inklusion ist ein tolles und wichtiges Vorhaben, aber auch eine Herausforderung für die Lehrkräfte“, betonte Hinzpeter. Um den Kindern gerecht zu werden, brauche es mehr und gut ausgebildete zusätzliche Kräfte für diese Aufgabe.

Seine Schule habe als sogenannte Brennpunktschule besondere soziale Herausforderungen zu meistern. „Die Probleme und Konflikte werden eher mehr als weniger“, so Hinzpeter. Als Unterstützung habe man mittlerweile drei Sozialarbeiter*innen, was immer noch nicht ausreiche. „Wir könnten zwei bis drei weitere gebrauchen“, so der Schulleiter. Um weitere Ressourcen zu erhalten, nehme die Schule am Programm „Schule macht stark“ teil, das auf zehn Jahre ausgelegt ist. Auch Hinzpeter lobte das Startklar-Programm der SPD-geführten Landesregierung, über das er pädagogische Mitarbeitende für den Ganztagsbereich einstellen, Unterrichtsmaterialien kaufen und Projekte wie spezielle Bewerbungstrainings organisieren konnte. Im Anschluss an das Gespräch führte Hinzpeter die Landtagsabgeordnete durch den neuen Schultrakt, der vor drei Monaten in Betrieb genommen wurde. Lesemann kündigte an, an Unterrichtsstunden teilnehmen zu wollen - die Hospitation soll nach den Osterferien stattfinden.

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