Sehnde News vom 2. März 2011
SPD veranstaltet Podiumsdiskussion zum Thema Pflege in Rethmar
(JHP) Rund 70 Personen sind am Montag, 28. Februar, auf den Gutshof in Rethmar gekommen, um der Podiumsdiskussion der SPD Ortsverbände Sehnde und Lehrte beizuwohnen, die sich an ein “Praktikum” der SPD-Abgeordneten Dr. Matthias Miersch (MdB), Dr. Silke Lesemann (MdL), Wolfgang Toboldt (SPD-Fraktionsvorsitzender Sehnde), und Klaus Sidortschuk (SPD-BM-Kandidat Lehrte) anschloss. Sidortschuk und Miersch haben sich dabei im AWO-Seniorenzentrum Gloriapark Lehrte informiert, Toboldt und Lesemann in der AWO-Residenz in Sehnde in der Zeit von 12 bis 17 Uhr mitgearbeitet, Lesemann dabei in der Abteilung mit den bereits schwer Demenzkranken.
Nachdem die vier Mandatsträger den Gästen zunächst von ihren Erfahrungen des Tages berichtet hatten und dabei immer wieder die engagierte und aufopfernde Arbeit der Pflegekräfte in den Einrichtungen jeweiligen hervorgehoben hatten, ging es an die Podiumsdiskussion.
Die Diskussionsrunde vervollständigten Volker Hagemann, Leiter des Lehrter AWO-Seniorenzentrums, Michael C. Asendorf, DRK-Geschäftsführer Soziale Einrichtungen, und Henning Steinhoff von der Landesgeschäftsstelle des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V.
In seinem Eingangsstatement ging Miersch auch auf die psychisch sehr belastende Arbeit der Pflegekräfte für einen Lohn von 1200 bis 2000 Euro brutto ein. Die Grundfrage für ihn aus dieser Erfahrung des Tages lautete: “Wie können wir diesen Lebensabschnitt menschlich und menschenwürdig gestalten? Oder einfacher, wie wollen wir mit unseren Alten umgehen?”
Toboldt, der Hochachtung vor den Pflegekräften hat, bemängelte, dass der Kostendruck häufig dazu führe, dass zuerst an den Personalkosten eingespart würde. Sidortschuk sah vor allem zwei “Baustellen”. Erstens der Vereinbarkeit von Verdienst, Schichtarbeit und Kinderbetreuung und zweitens, dass der demographischen Wandel aktiv gestaltet wird durch die Politik.
Lesemann mahnte die Bereitstellung von Ausbildungs- plätzen in allen Pflege- einrichtungen an, wobei die Ausbildung auch grundsätzlich kostenfrei zu erfolgen habe. Hagemann warf zunächst der Presse eine falsche Darstellung der Pflegesituation vor mit den Stichworten Mangelernährung, dunkle Räume, Fixierung und Verwahrlosung, bevor er die Heimpflege als Alternative zu heimischen Pflege darstellte. Asendorf lobte die Politik für die Zulagenbereitstellung für Demenzkranke und Steinhoff brachte die Qualität der Pflege ins Spiel, die mit rund 95 Prozent gute Noten erzielt und verwahrte sich gegen den Vorwurf, “Deutschland sei eine Pflegewüste”.
In der anschließenden Diskussion mit den Gästen ging es genau um diese Probleme. Vereinbarkeit von Schichtdienst und Kinderbetreuung, wobei hier die Kommunen nicht vollständig Abhilfe schaffen können, die falsche Weisheit “ambulant vor stationär”, die geringe Bezahlung der deutschen Pflegekräfte, die Dumpinglöhne osteuropäischer Pfleger und die falschen Erwartungen an die ambulante Pflege.
Am Ende der teilweise emotionalen Diskussion gingen Toboldt und Sidortschuk nochmals auf das merkwürdige Verhalten des Verbandes der Ersatzkassen e.V. bei der geplanten Einrichtung des Pflegestützpunktes für Burgdorf, Uetze, Lehrte und Sehnde ein, der durch unerfüllbare Nachforderungen die an diesem Abend diskutierte problematische Situation der Senioren und ihrer Angehörigen in diesen Notlagen zusätzlich verschärft hat. Hier muss durch die Politik noch eine deutliche Sprache gefunden werden.