Sehnde News vom 10. Januar 2011
Neujahrsempfang der evangelisch-lutherischen Gemeinde im Bonhoefferhaus
(JHP) Rund 120 Personen waren der Einladung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gefolgt und nahmen am Neujahrsempfang am Sonntag, 9. Januar, im Bonhoeffer Haus um 10 Uhr am Papenholz teil. Dem Empfang ging ein Gottesdienst voraus, in die eine Fragestunde mit der Landtagsabgeordneten Dr. Silke Lesemann eingebunden war.
Zunächst resümierte Heidrun Golenia das Gemeindeleben des Jahres 2010. Danach wurden rund 10 000 Euro freiwilliges Kirchgeld gezahlt, der Kinderchor durch die Pastorin Damarkis Frehrking gegründet und die Restaurierung der Orgel unter Dach und Fach gebracht. Abschließend dankte sie der Stadt, vertreten durch Ratsmitglieder und den Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke für die Zusammenarbeit. Bedauerlich sei, so Golenia, dass das Bonhoeffer Haus verkauft werden muss, gut sei, dass sich die Stadt zum Kauf entschlossen habe und es dadurch der Öffentlichkeit erhalten bleibe.
Pastor Andreas Schmidt begann dann den Reigen der “drei Mal drei Fragen” an die Landtagsabgeordnete. Dabei ging es um das Thema Isolation und Ghettobildung. Auf seine Fragen nach der Vermeidung von Ghettobildung und Integration antwortete Lesemann, dass es im Wesentlichen darum gehe, die Sprachkompetenz herzustellen und damit die Grundlage für schulische Ausbildung zu legen. Dabei verwies sie besonders auf das Bonhoeffer Haus, in dem die erste Sehnder Krippe entstanden war. Ansonsten, so bedauerte sie weiter, steht das Land Niedersachsen noch an letzter Stelle im bundeschnitt bezüglich Kinderkrippen. Aber auch da sei Sehnde mit der Neuplanung einer Krippe auf einem guten Weg. Da Bildung, so ihr Fazit, die Berufsmöglichkeiten bestimme, und Geld wiederum auf dem Wohnungsmarkt gebraucht werde, ließe sich durch verbesserte Bildung auch die Ghettobildung auflösen. Während in den Dörfern das Zusammenleben meistens problemlos klappe, so Lesemann etwas dämpfend, müsse in den Städten die Politik eingreifen.
Pastorin Frehrking zielte mit ihren Fragen eher auf die Integration und Religion ab. Dass es beim Zusammenleben Probleme gebe, ist dabei unbestritten. Integration, so die Diskutanten, bedeutet aber auch eine Zweiseitigkeit. Man muss sich einbringen, aber auch durch das Umfeld akzeptiert werden. Die oft Ängste auslösende fundamentalistische Haltung besonders der islamischen Religion ist dabei, so waren sich beide einig, nicht der Regelfall. Die Mehrzahl dieser Mitbürger stünde auf dem Boden des Grundgesetzes. Auch das Aufeinanderzugehen funktioniere dort, wo institutionelle Ansprechpartner verfügbar seien. Leider, so das Fazit, gebe es sie in Lehrte, aber nicht in Sehnde. Es komme, so das gemeinsame Ergebnis, wesentlich auch die Dialogbereitschaft miteinander an, wobei keinesfalls die Demokratie auf der Stecke bleiben darf.
In der Dritten Runde kamen die Fragen aus der Gemeinde, die sich um die Frage der Anerkennung von Schul- und Ausbildungsabschlüssen der Migranten drehten. Hier, so räumte Lesemann ein, gebe es noch erheblichen Handlungsbedarf, um alle bereits vorhandenen Potentiale auszunutzen. Lange angekündigte gesetzliche Regelungen wurden immer wieder verschoben und eingewanderte Fachkräfte werden unter Wert eingesetzt. Das kann man sich auf lange Sicht nicht mehr leisten.
Bevor die zahlreichen Grußworte begannen, kamen noch die Sternsinger zu Besuch, die dieses Jahr für Kinder in Kambodscha sammeln. Danach lud die Gemeinde zum Empfang in die noch ihr gehörenden Räume des Bonhoeffer Hauses.