Reichen zwei Betreuerinnen pro Kind?

Von Christine Raudies

Grasdorf. In den ersten Lebensjahren werden Grundlagen für Bildungs- und Entwicklungschancen von Kindern gelegt. Darüber waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion in der Gaststätte Leinemasch am Mittwochabend einig. Doch über den Weg zu einer guten Frühförderung wurde leidenschaftlich gestritten. Der DGB-Ortsverband Laatzen hatte eingeladen, sich mit den steigenden Bildungsansprüchen in Kindertagesstätten auseinanderzusetzen. Mit etwa 40 zumeist fachkundigen Gästen diskutierten die Landtagsabgeordneten Silke Lesemann und Christoph Dreyer, Professor Stefan Bre von der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim und Martina Burbulla von der Laatzener AWO-Kindertagesstätte. Ein zentrales Thema war das Kindertagesstättengesetz.

Silke Lesemann (SPD) forderte eine Änderung. Der Betreuungsschlüssel – die Anzahl der Kinder pro Betreuerin – müsse gesenkt werden. Martina Burbulla brachte es für die Erzieherinnen auf den Punkt: „25 Kinder mit nur zwei Erzieherinnen, das ist eigentlich schon Körperverletzung.“ Christoph Dreyer (CDU) verwies auf die Landesfinanzen und verteidigte die bestehende Regelung: „Wir haben den richtigen Rahmen, den Kommunen steht es darüber hinaus frei, den Betreuungsschlüssel abzusenken.“ Burbulla widersprach: „Man kann das Problem nicht einfach den Kommunen überlassen.“ Auch mahnte sie an, dass Bildungsangebote für Kinder überall gleich sein müssten: „Sonst haben wir eine Diskriminierung.“ Als möglichen Lösungsweg regte Stefan Bre an, lokale Bündnisse zu gründen, etwa Kindergarten-Patenschaften für Politiker. „Nicht mit der Erwartung, dass sofort große Dinge geschehen. Sondern um sich besser kennenzulernen, sich mehr Wert zu schätzen, sich mit der Praxis zu befassen.“