100 Jahre Leine-VHS in Laatzen: Lesemann hielt Grußwort und übergab Spende

 

Hielten Grußworte bei der Veranstaltung: Laatzens Bürgermeister Jürgen Köhne (links), Minister a. D. Wolfgang Jüttner (2.v.r.) und Dr. Silke Lesemann. VHS-Geschäftsführer Jürgen Beckstette (2.v.l.) freute sich darüber.

 

In diesem Jahr werden die Volkshochschulen in Deutschland 100 Jahre alt. Die Leine-VHS hat das Jubiläum gestern Abend zum Thema einer feierlichen Auftaktveranstaltung zum Frühjahrssemester gemacht. Dr. Silke Lesemann, für Laatzen, Pattensen und Sehnde zuständige SPD-Landtagsabgeordnete, hielt ein Grußwort und übergab eine Spende.

 

Die Leine-VHS will das Spendengeld für außerschulische Angebote für Jugendliche aus einkommensschwachen Familien einsetzen, wie Jürgen Beckstette, Geschäftsführer der Leine-Volkshochschule, mitteilte.

Das Grußwort von Dr. Silke Lesemann im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Beckstette, Herr Bürgermeister Köhne, lieber Wolfgang Jüttner, verehrte Gäste,

in diesem Jahr feiern wir mehrere 100-jährige Jubiläen. Heute ist es übrigens 100 Jahr her, dass mit Marie Juchasz zum ersten Mal in der deutschen Geschichte eine Frau am Rednerpult eines Parlamentes stand. Demokratie war von 100 Jahren eine neue Erfahrung. Demokratie braucht aber auch Bildung. Deshalb legte die Weimarer Verfassung von 1919 in Artikel 148 den Grundstein für die Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung. Hier hieß es „Das Volksbildungswesen, einschließlich der Volkshochschulen, soll von Reich, Ländern und Gemeinden gefördert werden.“ 

Die Weiterbildung erhielt damit erstmals Verfassungsrang und wurde zum integralen Bestandteil des öffentlichen Bildungssystems. In ganz Deutschland kam es daraufhin zu einer Welle von Volkshochschulgründungen.

Die Aufnahme der Volkshochschulen in die Weimarer Verfassung erfolgte in einer Zeit gesellschaftlicher Zerrissenheit. Damals wie heute trägt Erwachsenenbildung maßgeblich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt und zur Integration bei. Aber noch weitere Merkmale aus der Gründungszeit sind heute noch prägend für unsere Volkshochschulen: 

Damals wie heute leistet die Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zu mehr Chancengerechtigkeit und Teilhabe. Wichtig sind nach wie vor: Kommunale Verankerung; Förderung durch die Länder; Freiheit der Lehre; Freiwilligkeit der Teilnahme; Programm-Vielfalt; Freiberuflichkeit der Lehrkräfte.

In Niedersachsen gibt es 57 Volkshochschulen. Jährlich besuchen ca. 700.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die VHS, jährlich rund 67.000 Volkshochschulkurse mit insgesamt mehr als 2,5 Mio. Unterrichtsstunden. 

Die VHSen stehen für wohnortnahe Bildung und Weiterbildung zu unterschiedlichen Themenfeldern, sind offen für alle Menschen in Niedersachsen, unabhängig von Alter, Geschlecht oder Herkunft. Sie bringen Menschen zusammen, vernetzen, unterstützen und fördern, bringen Menschen auf ihrem persönlichen wie beruflichen Lebensweg weiter.

Sie stehen auch für das Ermöglichen und Umsetzen einer zweiten Chance und die damit verbundene tatkräftige Unterstützung derer, die sich z.B. auf den zweiten Bildungsweg begeben oder ihrem Leben noch einmal eine ganz andere Richtung geben möchten.

Der soziale und menschliche Aspekt sind bei der Arbeit der VHS daher ebenso zentral, wie die fachlichen Kompetenzen, die sie in ihren Kursen vermitteln. Sie stehen für Vielfalt auf allen Ebenen, bereichern die Kommunen, in denen sie angesiedelt sind. Gerade bei der Integration von Flüchtlingen mit Sprach- und Integrationskurse spielen sie eine zentrale Rolle. Bei Hospitationen konnte ich mir hiervon ein lebendiges Bild machen. 

Zu den Kernkompetenzen der VHS in Niedersachsen gehören Alphabetisierung und Grundbildung; Berufliche Bildung; Digitalisierung; Gesundheitsbildung; Integration; Kulturelle Bildung; Marketing; Politische Bildung; Sprachen und Sprachförderung; Zweiter Bildungsweg

Auch im Bereich der Digitalisierung und ihren Auswirkungen auf alle Lebensbereiche sind die VHS auch in Zukunft ein wichtiger Partner und hilft beim Gelingen der digitalen Transformation. 

Meine Damen und Herren, 

vielen in der Landespolitik ist die hervorragende und wichtige Arbeit der niedersächsischen Volkshochschulen bewusst. 

Als für den Bereich zuständige Ressortsprecherin bin ich froh, dass wir die Erhöhung der Finanzhilfe um drei Prozent über die politische Liste hinbekommen haben. Davon profitiert auch die Leine VHS. Wir setzen uns weiter für die Verstetigung und den weiteren Aufwuchs dieser Mittel ein. Wir wissen, was die VHS hier in Niedersachsen leisten und welche wichtige Aufgabe sie für die Erwachsenenbildung übernehmen.  

Die Leine VHS bietet seit vielen Jahren erfolgreich Bildung für jede Lebenslage in jeder Phase des Lebens.  Für das damit verbundene große Engagement der Verantwortlichen und der Dozentinnen und Dozenten möchte ich ganz herzlich danken.  

Als in Hannover 1919 Ada und Theodor Lessing die Volkshochschule gründeten, verpflichteten sie ihre Arbeit dem Leitgedanken:  "Wissen ist Macht, Wissen macht frei, Bildung ist Schönheit".

In diesem Sinne gratuliere ich ganz herzlich zum Jubiläum!

100 Jahre Leine Vhs 19 02 2019

Hielten Grußworte bei der Veranstaltung: Laatzens Bürgermeister Jürgen Könne (links), Minister a. D. Wolfgang Jüttner (2.v.r.) und Dr. Silke Lesemann. VHS-Geschäftsführer Jürgen Beckstette (2.v.l.) freute sich darüber.