„Unsere Lehrer sind Integrationsbotschafter“: Dr. Silke Lesemann besuchte Leine-VHS und hospitierte in einem Integrationskurs

 

Dr. Silke Lesemann hospitierte in zwei Integrationskursen.

 

Mich beeindruckt die große Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Deutschlernen in den Sprachkursen. Die Dozenten sind hier mehr als Sprachlehrer: Sie leisten wertvolle Arbeit für die Integration in unsere Gesellschaft“, sagte die für Laatzen zuständige SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Silke Lesemann nach ihrem heutigen Besuch der Leine-Volkshochschule.

 

Lesemann hospitierte am Vormittag in zwei Sprachkursen und informierte sich bei Gerold Brockmann, dem Geschäftsführer der Leine-VHS, und Heike Ermisch, der Pädagogischen Leiterin Deutsch, über die aktuelle Situation der Schule. Derzeit werden 22 Integrationskurse an der Schule vom Bund finanziert, zwei vom Land, berichtete der Leiter der Schule und lobte die rot-grüne Landesregierung. „Das Land hat mit der Finanzierung von zwei Kursen eine wichtige Lücke geschlossen, womit wir sehr zufrieden sind“. Die Lücke habe es in der Zugangsberechtigung gegeben - zuvor hätten nicht alle Zugewanderte einen Integrationskurs in Anspruch nehmen können, weil ihr Asylantrag noch bearbeitet wird oder ihr Bleiberecht ungewiss ist. „Viele von ihnen leben aber bereits lange in Deutschland und müssen auch integriert werden - und ohne Sprachkenntnisse ist das nicht möglich“, sagte Ermisch.  

Von den 22 vom Bund finanzierten Integrationskursen sind 3 sogenannte DeuFöV-Kurse (Deutschförderverordnung), die auf den Besuch eines Integrationskurses folgen. Rund 400 Erwachsene Zugewanderte besuchen derzeit die Volkshochschule, an 20 Stunden pro Woche werden sie dort unterrichtet. Neben der Sprache lernen sie auch viel über die Kultur und die Werte des Landes. „Die Lehrer leisten eine tolle Integrationsarbeit - sie sind quasi Integrationsbotschafter“, sagte Brockmann.

In diesem Zusammenhang lobte der VHS-Leiter, dass sich die Bezahlung der Lehrerinnen und Lehrer endlich verbessert habe. „Wir konnten den Stundenlohn von 23 auf 35 Euro anheben, davon müssen die Lehrkräfte allerdings alle Sozialleistungen abführen. Verglichen mit ihren Kollegen an Schulen verdienen sie immer noch weniger“, sagte Brockmann. Dies müsse sich ändern, denn schließlich seien die inhaltlichen und pädagogischen Anforderungen an die Lehrkräfte sehr hoch. Die nicht ausreichende Finanzierung durch den Bund habe zur Folge, dass die Schule ihren Mitarbeitern immer noch keine Festanstellung anbieten könne. „Das würden wir aber gern tun“, sagte Brockmann. Lesemann versprach, sich auch weiterhin für eine bessere Bezahlung in diesem Bereich einzusetzen.

Dennoch herrsche eine große Zufriedenheit unter den Lehrkräften, betonte Ermisch. „Die meisten unserer Dozenten unterrichten bereits seit vielen Jahren an unserer Schule. Wir legen großen Wert auf eine sehr gute Arbeits- und Teamatmosphäre.“ Die Schule achte auf einen regen Austausch, der auch in Form von Stammtischen stattfindet, und Fortbildungen. Kürzlich habe man eine Fortbildung mit einem Traumatherapeuten organisiert, da viele der Zugewanderten schlimme Dinge erlebt haben. 

Die Volkshochschulen in Niedersachsen leisteten wichtige Arbeit bei der Integration von Zugewanderten. „Rund 50 Prozent aller Integrationskurse für Erwachsene werden von unseren Schulen angeboten“, sagte Brockmann. Und man würde gern noch mehr machen - beispielsweise Kurse zum Nachholen von Schulabschlüssen für Zugewanderte. „Die berufliche Perspektive ist sehr wichtig für die Integration“, betonte Ermisch. Bisher könne man solche Kurse nicht anbieten, da die rechtliche Situation zur Festanstellung von Lehrern nicht geklärt sei.

Sorgen bereite der Schule derzeit die Raumsituation. Es mangele an Räumen, wodurch sogar ein Wegfall von Kursen drohe. Man sei aber bereits mit der Stadt im Gespräch, berichtete Brockmann. Zum Abschluss des Gesprächs bedankte sich der Schulleiter bei Lesemann, die die VHS bereits zum dritten Mal besucht hat. „Es zeigt, dass Frau Lesemann unsere Arbeit wertschätzt“, so Brockmann.

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